Motivation
Fachreferenten an Zentralen Fachbibliotheken und Bibliotheken mit Sondersammelgebieten, Pflichtexemplarrecht oder auch auf einem beliebigen Gebiet dichten Bestand stehen oft vor dem Problem, möglichst alle relevanten Veröffentlichungen für ihr Fach ausfindig zu machen. Die regelmäßig gelieferten Erwerbungsunterlagen (etwa in Form von Profildiensten aufgrund von Nationalbibliographien und vergleichbaren Daten) sind für den systematischen Bestandsaufbau ein wichtiger Grundstock, doch selbst die im Buchhandel erscheinende Literatur läßt sich damit nur lückenhaft erfassen; spätestens wo es keine Nationalbibliographie gibt, beginnt es aufwendig zu werden.
Für die systematische Auswertung der reichlich als Werbung eingehenden Verlagskataloge hingegen bleibt selten die Zeit, zumal das bei ohnehin schon dichtem Bestand eine frustrierende Angelegenheit sein kann. Nun könnte man sich auf den Standpunkt stellen, die Vorakzession sei nicht Aufgabe des Fachreferenten, der daher großzügig alles abzeichnen könne, was relevant scheint — in beliebigem Umfang und ohne Rücksicht auf Wiederholungen, denn spätestens vor dem Bestellen würde es ja doch auffallen und dublette Erwerbung verhindert. Nur nebenbei bemerkt: Daß Fachreferenten noch Wochen, ja Monate nach Durchsicht der Erwerbungsunterlagen auswendig wissen, was sie bereits haben bestellen lassen, gehört leider ins Reich des Mythos, an den höchstens vereinzelte Erwerbungsleiter zu glauben scheinen; die Wahrheit ist, daß das Gedächtnis von Fachreferenten einer Bestelldatenbank immer unterlegen ist. Wie dem auch sei, skrupelloses Abzeichnen von Bestellvorschlägen würde den Aufwand nur an eine andere Stelle verlagern und das Problem der Lückenergänzung bei dichtem Bestand nicht grundsätzlich lösen.
Wünschenswert wäre daher eine technische Möglichkeit für den automatischen Abgleich von elektronisch verfügbaren bibliographischen Daten (etwa auf Verlagsseiten im Internet) mit dem Bibliothekskatalog. Wem ein solcher Ansatz zu technokratisch erscheint, wenn nicht gar als Herabwürdigung der eigenen intellektuellen Leistung bei der Literaturauswahl, dem sei gesagt: Das ist nicht der Punkt, sondern es geht darum, schnell und automatisch diejenigen Fälle zu identifizieren, für die die intellektuelle Leistung bereits erbracht wurde, weil sie bereits in der Bibliothek vorhanden sind.
Kommandozeilentool und serverbasierte Lösung
Vor mehr als fünf Jahren entstand daher ein Perl-Skript, das für lokal gespeicherte html-Dateien mit regulären Ausdrücken und Prüfung auf Validität die ISBNs extrahiert, eine Anfrage an den Bibliothekskatalog schickte und aufgrund der Rückmeldung die Datei derart modifizierte, daß hinter jeder ISBN stand, ob das Buch vorhanden sei oder nicht. (Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz ist natürlich, daß bestellte Titel bereits im Katalog angezeigt werden. Und es funktioniert nur mit textbasierten Formaten, insbesondere pdf als Ausgabeformat ist schlecht bis gar nicht für eine automatische Weiterverarbeitung geeignet.)
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