Schlesien versus Sparta

„Schlesien versus Sparta. Gerhart Hauptmanns Besinnung auf schlesische Identität im Verhältnis zur Rassenideologie“ lautet der Titel meines – leider immer noch nicht fertigen – Vortrags am 2.3. bei der Tagung „Das deutsche Kulturerbe in Schlesien“ im Themenblock „Gerhart Hauptmann und seine Zeit“. Inzwischen ist die Tagung auch angekündigt: http://staatsbibliothek-berlin.de/nc/die-staatsbibliothek/ausstellungen-und-veranstaltungen/detail/article/2012-01-03-5551/. Weil es mir zu langweilig gewesen wäre, einen weiteren Vortrag mit Aufzählung von biographischen Fakten und autobiographischen Fiktionen (die gern als Fakten genommen werden), schlesischen Orten und Motiven etc. in Hauptmanns Werk zu schreiben, habe ich ein Thema gewählt, in dem es nur am Rande um Schlesien geht.

Dies ungefähr ist der Fahrplan für den Vortrag, von dem etwa die Hälfte fertig ist:

Mehrfach setzt Gerhart Hauptmann zwischen 1906 und 1942 Schlesien und Sparta in Beziehung. Im Reisetagebuch seiner Griechenlandreise erinnert ihn die Landschaft Spartas an die schlesische Landwirtschaftsidylle und eine Liebschaft während seiner Ausbildung in Lederose. Der veröffentlichte Reisebericht ‚Griechischer Frühling‘ bezieht die Bevölkerungspolitik Spartas nach den Lykurgischen Gesetzen ein, die der deutschen Eugenik (von Hauptmanns Freund Alfred Ploetz 1895 als „Rassenhygiene“ inauguriert) als vorbildlich galten. Zu einer Entgegensetzung von Sparta und Schlesien, in deren Landschaften er weiterhin Gemeinsamkeiten sieht, kommt Hauptmann 1922 in einem Paralipomenon zum Fragment gebliebenen Roman ‚Der neue Chistophorus‘, wo der sein idealisiertes Selbstbild, den Bergpater, erklären läßt, spartanisches Freiheitsdrang werde in Schlesien nie heimisch sein. Vollends kritisch wird schließlich der Blick auf Sparta Ende der 1930er Jahre: Hauptmann begreift dann Schlesien als Land der Mischung und seine Familie als „Kolonisten“; es deutet sich in Tagebuchaufzeichnungen an, daß er Schlesien als Gegenmodell zu Sparta entwirft, dem (nach Ernst Baltrusch) „ersten totalitären Staat der Weltgeschichte“, in dem Kunst – für Hauptmann das Maß aller Dinge – gegenüber der einseitig auf körperliche Tauglichkeit des Nachwuchses und Reinheit der Rasse ausgerichteten keinen Platz hat. Die Analogien zwischen der Rassenpolitik im Dritten Reich und Sparta (auch in zeitgenössischen Berufungen auf Sparta) nahm er wahr und lehnte beides ab.

(zuerst auf GooglePlus)

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