Plagiate

Bei Nordwestradio / Radio Bremen wird plagiiert. Wer hätte das gedacht?

Im Weblog der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V., Berlin, veröffentlichte ich am 8. September einen rezensionsartigen Hinweis auf die Peter Sprengels im August erschienene Hauptmann-Biographie: http://www.gerhart-hauptmann-gesellschaft.de/peter-sprengels-hauptmann-biographie/ Bei der Recherche für die Literaturhinweise, die ich regelmäßig für die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft zusammenstelle, stieß ich am 30.9. auf ein Gespräch, das Harro Zimmermann mit Peter Sprengel führte und das Radio Bremen am 29.9. gesendet hat.

Es ist erfreulich, daß dem Thema fast 45 Minuten Sendezeit eingeräumt werden, es ist auch erfreulich, daß meine Würdigung der Biographie für den Redakteur nützlich war (am 26.9. zwischen 12:20 und 12:35 Uhr wurden die Seiten der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft von einer IP-Adresse besucht, die Radio Bremen zuzuordnen ist), ganz und gar nicht erfreulich hingegen ist es, daß sich nun auf den Webseiten von Radio Bremen zu dem Gespräch nicht als solche gekennzeichnete wörtliche Übernahmen, selbstverständlich auch ohne Quellenangabe, finden: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/literaturforum/literaturforum104_date-20120929.html

Nun bin ich kein Freund von Abmahnungen ohne vorherige Kontaktaufnahme (und auch kein Freund von Abmahnungen überhaupt), habe also eine freundliche, aber bestimmte E-Mail an die Online-Redaktion von Radio Bremen geschickt, mit der Bitte „die wörtlich übernommenen Formulierungen umgehend entweder als solche zu kennzeichnen und mit Quellennachweis zu versehen oder umzuformulieren“. Wahrscheinlich soll man sich geehrt fühlen, als Autor im Weblog einer kleinen literarischen Gesellschaft von einer Landesrundfunkanstalt plagiiert zu werden. Aber aufgrund des Bedeutungsunterschieds besteht leider die Gefahr, daß es genau andersherum wahrgenommen wird (sofern es überhaupt jemand bemerkt). Und diesen Eindruck möchte ich doch gern vermeiden, zumal ich mich innerhalb der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft immer wieder dafür eingesetzt habe, daß in den Gerhart-Hauptmann-Blättern nicht ständig unautorisierte Nachdrucke erscheinen.

Im Sinne der Beweissicherung hier ein Screenshot vom 30.9., ca. 20:20 Uhr, in dem die wörtlichen Übernahmen markiert sind.

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3 Kommentare

  1. Ich stelle gerade fest, daß Nordwestradio eine eigenen Kontaktadresse hat, weil es ein Gemeinschaftsprogramm von Radio Bremen und Norddeutschem Rundfunk ist (d.h. das Plagiat meines Texts habe ich gewissermaßen mit meinen Rundfunkbeiträgen zu allem Überfluß auch noch kofinanziert). Daher habe ich gerade folgende E-Mail an nordwestradio@radiobremen.de geschickt:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    da ich auf meine E-Mail vom 30.9. an die Adresse online@radiobremen.de(siehe unten) bislang keine Antwort erhalten habe, leite ich die Nachricht noch an die direkt zur betroffenen Seite genannte Kontaktadresse weiter. Ich formuliere mein Anliegen gleichzeitig noch etwas deutlicher: Ich fordere Sie hiermit auf, die unautorisierten wörtlichen Übernahmen aus meinem unten genannten Text, die weder als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet noch mit Quellenangabe versehen sind, umgehend zu entfernen. Sollte ich nicht innerhalb von drei Werktagen eine Antwort erhalten, werde ich nicht zögern, die Angelegenheit einem Anwalt zu übergeben. Eine bislang noch kleine Öffentlichkeit ist auch schon informiert und am weiteren Fortgang interessiert: https://plus.google.com/u/0/103339781531828017224/posts/bcpVLc3hPmv

    Freundliche Grüße

    Bernhard Tempel“

    Text der ursprünglichen E-Mail an online@radiobremen.de:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    für die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V, Berlin, stelle ich regelmäßig Hinweise auf neue Literatur zusammen. Bei den Recherchen dafür stieß ich auf das Gespräch Harro Zimmermanns mit Peter Sprengel anläßlich des Erscheinens der neuen Hauptmann-Biographie. Es ist erfreulich, daß dem Thema soviel Sendeplatz eingeräumt wird.

    Weniger erfreulich jedoch ist es, daß ich zu meiner Überraschung dann auf Ihren Webseiten zu diesem Gespräch (http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/literaturforum/literaturforum104_date-20120929.html und http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/literaturforum/audio96882-popup.html) mehrere wörtliche Übernahmen meiner Ankündigung der Biographie im Weblog der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft fand, jedoch weder als solche gekennzeichnet noch mit Quellenangabe versehen (vgl. http://www.gerhart-hauptmann-gesellschaft.de/peter-sprengels-hauptmann-biographie). Zwar ist es eine Ehre, als Autor des Weblogs einer kleinen literarischen Gesellschaft von einer Landesrundfunkanstalt plagiiert zu werden, aber es birgt auch eine Gefahr: nämlich daß im Zweifelsfall aufgrund des Bedeutungsgefälles zwischen Autor und Plagiator angenommen wird, das Verhältnis sei umgekehrt. Da ich innerhalb der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft mich seit Jahren dafür einsetze, daß in den Gerhart-Hauptmann-Blättern nicht ständig unautorisierte Nachdrucke erscheinen, wäre es fatal, wenn der Eindruck entstünde, ich nähme es selbst mit dem Urheberrecht nicht so genau.

    Ich bitte daher darum, die wörtlich übernommenen Formulierungen umgehend entweder als solche zu kennzeichnen und mit Quellennachweis zu versehen oder umzuformulieren.

    Freundliche Grüße

    Bernhard Tempel“

  2. Hier gibt es übrigens hilfreiche Hinweise, wie man sich gegen Urheberrechtsverletzungen zur Wehr setzen kann: http://www.akademie.de/wissen/urheberrechtsverletzung-text-was-tun Die Musterschreiben sind zwar kostenpflichtig, aber nützlich fand ich allein schon die Angaben zur Berechnung des Schadenersatzes, den man fordern kann. Der liegt im aktuellen Fall natürlich unter 5000 Euro, so daß noch das Amtsgericht zuständig und nicht einmal unbedingt ein Anwalt erforderlich wäre. Andererseits spart das Einschalten eines Anwalts Zeit und Nerven, und die Kosten für Anwalt und Gerichtsverfahren trägt ja der Urheberrechtsverletzer.

    Beispielberechnung einer möglichen Schadenersatzforderung in Anlehnung an http://www.akademie.de/wissen/urheberrechtsverletzung-text-was-tun:

    Für einen Fachtext, Erstveröffentlichung: 20 ct pro Zeichen laut DJV-Tabelle. 570 Zeichen (ohne Leerzeichen) wurden wörtlich übernommen, macht 114 Euro. Zuzüglich 100% Aufschlag für Nichtnennung der Quelle: 228 Euro. (Das wäre immerhin ungefähr ein Jahr Rundfunkgebühren nach der zukünftigen Haushaltsabgabe ab 1.1.2013.)

  3. Gute Nachricht: Inzwischen ist die Sache bereinigt. Warum es so lange gedauert hat, ob meine E-Mails nicht angekommen sind oder was auch immer, weiß ich nicht. Bin aber froh, daß ich nicht noch einen halben Tag für den Rechtsweg investieren muß und mich in den wenigen dafür verfügbaren Nebenstunden jetzt wieder auf meine demnächst anstehenden Vorträge („‚Ich trinke mehr für Andre als für mich – Gerhart Hauptmann: Ein Dichter und sein Alkohol“ am 18.10. in der GWLB Hannover [http://www.gwlb.de/kulturprogramm/Veranstaltungen/] sowie „Georg Lukács als Rezepient und Kritiker Gerhart Hauptmanns“ am 17.11. im Gerhart-Hauptmann-Museum, Erkner) konzentrieren kann.

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