Auch in der Linguistik gewinnt Open Access an Bedeutung

Auch in der Linguistik gewinnt Open Access an Bedeutung. Die „Ar­beits­grup­pe Deut­sche Gram­ma­tik und All­ge­mei­ne Sprach­wis­sen­schaft“ an der Freien Universität Berlin hat zum Thema Veröffentlichung von Büchern als Open Access eine eigene Seite im Netz, die derzeit weltweit 94 Unterstützer aufführt (http://hpsg.fu-berlin.de/OALI/). Rein quantitativ mag das wenig scheinen, doch es handelt sich überwiegend um Professoren, darunter der Begründer der Intergrativen Linguistik, Hans-Heinrich Lieb (Jg. 1936), bei dem ich übrigens in den 1990er Jahren mehrere Hauptseminare besucht habe und der dann auch einer meiner Prüfer im Staatsexamen war.

Bemerkenswert ist die realistische Einschätzung der Vor- und Nachteile des Textsatzes in Eigenregie (volle Kontrolle als Chance, aber auch bedeutendem Aufwand):

„While you have full con­trol over your prod­uct, the dis­ad­van­tage is that you have full con­trol of your prod­uct. This means that you have to do the proof read­ing and the type set­ting alone. Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press es­ti­mates the costs for type­set­ting a 400 page book as 1000£. If you are will­ing to in­vest the equiv­a­lent of 1000£ in for­mat­ting the text on your own (for in­stance by learn­ing how to use Mi­croSoft Word or Libre Of­fice prop­er­ly or even eas­i­er by learn­ing how to write in LaTeX) you save this money and your read­ers will enjoy a cheap­er book.

If you do not want to learn to write your texts in a form that is us­able right away, you can pay a pro­fes­sion­al type­set­ter for doing it for you with­out in­volv­ing a pub­lish­er.“ (http://hpsg.fu-berlin.de/OALI/).

Der Hinweis auf LaTeX freut mich und wundert mich nicht: Allein mit der Unterstützung von phonetischen/phonologischen Zeichensätzen (TIPA, IPA) und der Visualisierung von syntaktischen Strukturen als Baumdiagrammen hat LaTeX auch für Linguisten einiges zu bieten. Dazu  bietet die Arbeitsgruppe eine eigene Seite: http://hpsg.fu-berlin.de/~stefan/Lehre/LaTeX/. Auf zwei weitere nützliche Quellen sei hier hingewiesen: http://en.wikibooks.org/wiki/LaTeX/Linguistics und den thematischen TeX-Katalog, wo man in den Abschnitten zur Phonetic (http://texcatalogue.sarovar.org/bytopic.html#phonetics) und zu Linguistik (http://texcatalogue.sarovar.org/bytopic.html#linguistics) Pakete mit entsprechender Unterstützung findet.

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Wundert’s jemanden …

Wundert’s jemanden, daß ich bei der Lektüre nur im Schneckentempo (mit ständigen rückwärtigen Krebsgängen) vorwärts komme? Mich nicht, bei soviel Dialektik, der mein einfach gestricktes, strikt prozedural arbeitendes Gehirn nicht gewachsen scheint: „Die Nicht-Präsenz des aufhebenden Subjekts wird darin nicht länger als (implizit dramatisches) dialektisches ‚Noch-Nicht‘ der Geschichte verstanden, sondern allererst artikuliert. Ungeheuerlich ist eben die Nicht-Präsenz dessen, das doch präsent ist, ungewiß nur, auf welche Weise, wo und wie. Was Marx hier also gibt, ist nicht ein theoretischer Vermittlungsversuch dieser Präsenz/Nicht-Präsenz des revolutionären Subjekts, sondern der Ausdruck ihrer Unvermitteltheit selber.“ (Hagen, Wolfgang: Zur Archäologie der marxistischen Geschichts- und Literaturtheorie. Die sogenannte »Sickingen-Debatte«. In: Erweiterung der materialistischen Literaturtheorie durch Bestimmung ihrer Grenzen. Hrsg. von Heinz Schlaffer [Literaturwissenschaft und Sozialwissenschaften 4]. Stuttgart 1974, S. 7–108, Zitat S. 47)

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Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuch 6 (2012)

Der vor wenigen Tagen erschienene Band 6 (2012) des Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuchs ist besonders reichhaltig ausgefallen. Er enthält einige Aufsätze, mit denen andere Zeitschriften wegen ihres Umfangs ihre Probleme gehabt hätten, sowie die Dokumentation der (vor allem brieflichen) Beziehung zwischen Gerhart Hauptmann und Selma Lagerlöf anläßlich der Dramatisierung von Lagerlöfs Erzählung »Herr Arnes penningar« (»Herrn Arnes Schatz«) als »Winterballade«. Erwähnung verdient auch das von Peter Sprengel herausgegebene Fragment einer Stanzendichtung »Karl«, die Gerhart Hauptmann vier Wochen nach dem Tod seines Bruders begonnen hatte. In einem bemerkenswerten Gespräch mit Krzystof A. Kuczyński berichtet Peter Sprengel, wie er zur Hauptmann-Forschung kam (eine maßgebliche Rolle spielte dabei die mit dem bis dato kaum wissenschaftlich ausgewerteten Nachlaß verbundene günstige Quellenlage).

Im einzelnen enthält der Band folgende Beiträge:

  • Krzystof A. Kuczyński: Auf den Spuren Gerhart Hauptmanns. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Peter Sprengel von der Freien Universität Berlin, S. 7–21.
  • Peter Sprengel: Gerhart Hauptmanns Die Weber – ein Projekt des Lebens, S. 23–43. – [Überarbeiteter Nachdruck des Beitrags zum Programmheft des Deutschen Theaters Berlin zur Inszenierung der Weber, Spielzeit 2010/11, Regie: Michael Thalheimer.].
  • Peter Sprengel: »Ich hasse sie nicht.« Gerhart Hautmanns Umgang mit literarischen Gegnern (Max Kretzer, Conrad Alberti), S. 44–60.
  • Marc Schweißinger: Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel oder die Tragödie der Sprachlosigkeit, S. 61–106.
  • Rüdiger Bernhardt: Die Zerstörung der preußischen Ordnung. Zu Gerhart Hauptmanns Bahnwärter Thiel. Novellistische Studie aus dem märkischen Kiefernforst, S. 107–134.
  • Edith Wack: Laura Marholm und die ›Frauenfrage‹. Zur Vorgeschichte von Gerhart Hauptmanns Drama Einsame Menschen, S. 135–179.
  • Sven Ekdahl: Selma Lagerlöf und Gerhart Hauptmann. Korrespondenz der Jahre 1912–1938 aus den Nachlässen in Stockholm und Berlin, S. 181–220. – [S. 203–220: »Quellenanhang« mit Abdruck von 20 Briefen und Telegrammen, vor allem Gerhart Hauptmanns und Selma Lagerlöfs.].
  • Krzystof A. Kuczyński: Gerhart Hauptmanns Briefe an Johannes Maximilian Avenarius aus den Jahren 1915–1942. Eine Auswahl, S. 221–239.
  • Marie Maroske: Gerhart Hauptmanns Mignon unter der Beeinflussung Friedrich Nietzsches, S. 241–278.
  • Bogusław Drewniak: Der 80. Geburtstag Gerhart Hauptmanns im Reich, in den besetzten Gebieten und im Ausland, S. 279–300.
  • Sigfrid Hoefert: Zur Übersetzertätigkeit im Bereich neuerer Hauptmann-Forschung, S. 301–315.
  • Klaus Hildebrandt: 25 Jahre Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner. Eine Würdigung zum Jubiläum im Hauptmann-Gedenkjahr 2012, S. 317–339.
  • Peter Sprengel: Der Ketzer von Soana in der Kritik des zeitgenössischen Protestantismus. Ein Nachtrag, S. 341 f.
  • Gerhart Hauptmann: Karl (1921), S. 343–346. – [Ansatz einer Stanzendichtung, entstanden in Sestri Levante, 1.–5. März 1921, vier Wochen nach dem Tod von Carl Hauptmann. Erstveröffentlichung
    nach der Handschrift GH Hs 211, 62v–68r.].
  • Krzystof A.Kuczyński: Reden an der Bahre Carl Hauptmanns. Eine Dokumentation, S. 347–357.
  • Krzystof A. Kuczyński: Carl Hauptmann-Gesellschaft. Ein Beitrag zur Rezeption des Dichters in der Zwischenkriegszeit, S. 359–365.

Leider ist das Jahrbuch weiterhin nur in wenigen deutschen Bibliotheken verfügbar (s. Zeitschriftendatenbank) und über den Sortimentsbuchhandel nicht zu beziehen (übrigens auch nicht über die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft, obwohl es gelegentlich Anfragen danach gibt). Die für den Band 3 (2008) genannte Bezugsadresse stimmt möglicherweise nicht mehr, da das Jahrbuch nun im Wissenschaftlichen Verlag der Fachhochschule Włocławek erscheint. Adresse der Redaktion:

Prof. Dr. Krzysztof A. Kuczyński
Katedra Badań Niemcoznawczych / Lehrstuhl für Deutschlandstudien
Uniwersytet Łódzki / Universität Lodz
ul. Narutowicza 59 a
PL 90-131 Łódź
Tel./Fax. 0048-42-66 55 401
E-Mail: niemcoznawstwo@op.pl

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Fernsehprogrammverweigerer oder Schwarzseher

Ein Beitrag in der FAZ erinnerte vor ein paar Tagen an die Minderheit der Fernsehprogrammverweigerer aus Überzeugung, die von der GEZ stets unter den Generalverdacht des „Schwarzsehens“ gestellt wurden: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wider-die-neue-gebuehr-rundfunk-fuer-alle-12006254.html Mit dem Generalverdacht ist es ab morgen vorbei, dann darf es per Verordnung keine verweigernden Haushalte mehr geben. Doch Moment, ist das wirklich so? Nicht ganz: Zahlen muß zwar jeder Haushalt, aber – und damit bleibt letztlich ein kleiner Rest von Freiheit – das Fernsehprogramm wird auch zukünftig niemand nutzen müssen. Wenn also schon die Zwangsabgabe in Geld kommt, so darf man sich wenigstens weiterhin die Wohnung frei von Fernsehern halten und muß nicht auch noch die Zeit dafür opfern. Sollte es allerdings soweit kommen, daß auch z.B.  Mindestfernsehkonsum von nicht unter 2 Stunden täglich zur täglichen politisch-unterhaltsamen Bildung verordnet wird: dann gute Nacht.

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Erkner und Gerhart Hauptmann

In Erkner, einem kleinen Städtchen südöstlich von Berlin, verbrachte Gerhart Hauptmann einst, vor mehr als 100 Jahren, vier Jahre seines Lebens. Erkner zehrt noch heute davon: Jährlich pilgern zahlreiche Schüler ins Gerhart-Hauptmann-Museum, einmal im Jahr trifft sich dort ein Teil der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V., und im aktuellen Jubiläumsjahr zu Hauptmanns 150. Geburtstag, gab es sogar den in Erkner geschriebenen ‚Biberpelz‘ als Übergangsdekoration eines Ladens, der zumindest bei meinem Besuch Mitte November noch nicht wieder eröffnet war. Ob es später ein Buch- oder Pelzladen wird, war nicht erkennbar …

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Leichtigkeit und Haben

A: Man hat’s nicht leicht.

B: Ja.

A: Aber leicht hat’s einen.

B: Das ist ja auch leicht zu haben.

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Schach ist unrealistisch

Schach ist allein insofern nicht realistisch, als es die Opferung oder gar Ermordung des eigenen Königs aus strategischen Erwägungen heraus nicht kennt.

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Steuervermeidung zwecklos

Sollten sich Pferdebesitzer in großem Umfang der Pferdesteuer durch Schlachtung ihrer Pferde zu entziehen versuchen, wird flugs eine Pferdeschlachtungssteuer eingeführt.

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Neuerscheinung: Briefwechsel Gerhart Hauptmann / Ivo Hauptmann

Titelbild der Ausgabe des Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann

Schon seit Mai 2012 ist im Schlesischen Museum zu Görlitz die Ausstellung „Poetische Orte“ zu sehen, deren Begleitband durch die Gegenüberstellung von Bildern Ivo Hauptmanns und Texten Gerhart Hauptmanns zum 150. Geburtstag des Vaters auch an den ältesten Sohn Gerhart Hauptmanns erinnert. Mit dem Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann (1886-1973) ist nun ein weiterer Beitrag zum Jubiläumsjahr erschienen, der einen „bislang unbekannte[n] Gerhart Hauptmann“ zeigt, wie es im Umschlagtext heißt: „Der Nobelpreisträger erweist sich als fürsorglicher und gelegentlich temperamentvoller Vater, der Ivos Laufbahn als bildender Künstler aufmerksam verfolgte.“

Der von Harriet Hauptmann (Enkelin Ivo Hauptmanns und Betreuerin der Ivo-Hauptmann-Archivs) und Stefan Rohlfs (Leiter des Gerhart-Hauptmann-Museums Erkner sowie 2. Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft) herausgegebene Briefwechsel umfaßt den großen Zeitraum zwischen 14. August 1895 und 27. April 1946. Es handelt sich um eine Auswahlausgabe, über deren Kriterien das Vorwort unterrichtet:

„Die Korrespondenz kann nur in Teilen wiedergegeben werden. Zum einen soll die Auswahl den Fokus auf die künstlerische Beziehung setzen, deshalb sind einzelne Briefe und Postkarten mit ausschließlich familiären Äußerungen und Informationen weggelassen worden. Zum anderen ist ein Großteil der Briefe, die im Laufe von über 50 Jahren von beiden Seiten geschrieben wurden, durch verschiedene Umstände nicht mehr erhalten. Bezugnahmen und Antworten auf Schreiben sind im Briefwechsel häufig nicht zu finden, da sich Gerhart und Ivo Hauptmann oft per Telefon oder im persönlichen Gespräch verständigten.“ (S. 7)

Trotz der Auswahl ist ein reichhaltiger Band zustande gekommen, der nicht primär wissenschaftliche Nutzer ansprechen will und wird, sondern Leser. Die einzelnen Briefe sind knapp sachlich annotiert, und für Anschaulichkeit sorgen 16 Abbildungen, u.a. Fotoportraits, faksimilierte Briefe sowie Zeichnungen und Gemälde Ivo Hauptmanns. Abgerundet wird der Band durch eine Zeittafel (S. 238-245) und ein Personenregister, das übrigens auch Verweisungen von den vielfach vorkommenden Kosenamen enthält.

Hauptmann, Gerhart und Ivo Hauptmann: »In höchster Berliner Eile . . . « Briefwechsel. Hrsg. v. Harriet Hauptmann und Stefan Rohlfs. Berlin: Verl. für Berlin-Brandenburg vbb, 2012. 252 S.
ISBN 978-3-942476-32-4
24,95 Euro

 

 

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Theatergespräche: Gerhart Hauptmann in Münster

Im Theater Münster hat eine Reihe von Gesprächen über Gerhart Hauptmann und sein Werk begonnen: „Aus Anlass des 150. Geburtstags von Gerhart Hauptmann (1862–1946) stellen Wissenschaftler im Wechselgespräch mit Schauspielern des Theaters Münster das Werk des Schriftstellers im Kontext der Literatur- und Theatergeschichte des 19./20. Jahrhunderts vor.“ Unter den Veranstaltungen des Jubiläumsjahrs dürfte dies hinsichtlich Umfang, Besetzung und inhaltlicher Breite eine der reichhaltigsten sein. Bis zum 3. März 2013 finden noch fünfzehn Gespräche statt, bei denen vor allem einzelne Dramen, aber auch die Novelle ‚Bahnwärter Thiel‘, autobiographische Schriften und Hauptmanns Rolle im deutschen Theater  thematisiert werden. Details sind dem Programm zu entnehmen.

 

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